Grundlagen

WCAG 2.1 einfach erklärt: Was Sie wirklich wissen müssen

10. März 2026·8 Min. Lesezeit

Was ist WCAG?

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind der internationale Standard für barrierefreie Webinhalte, entwickelt vom World Wide Web Consortium (W3C). Die aktuelle gesetzlich relevante Version ist WCAG 2.1 — sie definiert Erfolgskriterien in drei Stufen: A (Minimum), AA (Mittel) und AAA (Maximum).

Das BaFG und der europäische Standard EN 301 549 verlangen **Level AA** — insgesamt **50 Erfolgskriterien** inklusive aller Level A Kriterien. WCAG 2.2 ist zwar bereits verfügbar, aber Stand März 2026 noch nicht verpflichtend.

Die 4 Grundprinzipien (POUR)

1. Wahrnehmbar (Perceivable)

Inhalte müssen so präsentiert werden, dass alle Nutzer sie wahrnehmen können — auch Menschen mit Seh- oder Hörbehinderungen.

  • Alt-Texte (1.1.1): Jedes nicht-dekorative Bild braucht einen beschreibenden Text. Der WebAIM Million Report 2025 zeigt: bei 18,5% aller Bilder fehlen Alt-Texte.
  • Untertitel (1.2.2): Alle vorproduzierten Videos brauchen Untertitel.
  • Kontraste (1.4.3): Mindestens 4.5:1 für normalen Text, 3:1 für großen Text. Laut WebAIM versagen 79,1% aller Webseiten bei diesem Kriterium — es ist der häufigste Fehler überhaupt.
  • Responsive (1.4.4): Bei 200% Zoom muss alles funktionieren.
  • 2. Bedienbar (Operable)

    Die gesamte Website muss für alle bedienbar sein — auch ohne Maus.

  • Tastatur (2.1.1): Alles muss per Tastatur erreichbar sein. Tests der Aktion Mensch zeigen: nur 20 von 65 getesteten Websites waren vollständig per Tastatur nutzbar.
  • Keine Zeitlimits (2.2.1): Zeitlimits müssen verlängerbar oder abschaltbar sein.
  • Skip-Links (2.4.1): Nutzer müssen wiederkehrende Blöcke überspringen können.
  • Fokus sichtbar (2.4.7): Der Tastaturfokus muss immer sichtbar sein.
  • 3. Verständlich (Understandable)

    Inhalte und Bedienung müssen verständlich sein.

  • Seitensprache (3.1.1): Das lang-Attribut muss im HTML gesetzt sein.
  • Konsistente Navigation (3.2.3): Die Navigation muss über alle Seiten gleich aufgebaut sein.
  • Fehlermeldungen (3.3.1): Bei Formulareingabefehlern muss das fehlerhafte Element identifiziert und der Fehler beschrieben werden.
  • Labels (3.3.2): Jedes Formularelement braucht ein sichtbares Label — Placeholder allein reicht nicht.
  • 4. Robust (Robust)

    Inhalte müssen mit verschiedenen Technologien funktionieren.

  • Valides HTML (4.1.1): Semantisches HTML verwenden.
  • Name, Rolle, Wert (4.1.2): Alle UI-Komponenten müssen ihre Rolle programmatisch vermitteln.
  • Statusmeldungen (4.1.3): Dynamische Meldungen müssen für Screenreader wahrnehmbar sein.
  • WebAIM Million Report 2025 — Die Fakten

    Der WebAIM Million Report analysiert jedes Jahr die Top 1.000.000 Webseiten:

  • 94,8% aller Startseiten haben WCAG-Fehler
  • Durchschnittlich **51 Fehler** pro Seite (Rückgang von 56,8 in 2024)
  • Über **50 Millionen einzelne Fehler** auf einer Million Seiten
  • Die Top-5 Fehler: Kontrast (79,1%), fehlende Alt-Texte, fehlende Labels, leere Links/Buttons, fehlende Seitensprache
  • Die Seitenkomplexität steigt: durchschnittlich 1.257 Elemente pro Seite — 61% mehr als vor 6 Jahren
  • WCAG 2.1 vs. WCAG 2.2

    WCAG 2.2 wurde im Oktober 2023 veröffentlicht und bringt 9 neue Erfolgskriterien:

  • Größere Touch-Targets (2.5.8)
  • Konsistente Hilfe (3.2.6)
  • Barrierefreie Authentifizierung (3.3.8)
  • Redundanter Eintrag (3.3.7)
  • Stand März 2026 verlangt das BaFG noch WCAG 2.1 AA — aber eine Aktualisierung auf 2.2 wird erwartet.

    Fazit

    WCAG 2.1 AA klingt komplex, aber die meisten Fehler lassen sich mit überschaubarem Aufwand beheben. Fangen Sie mit den häufigsten Problemen an: Kontraste, Alt-Texte, Tastaturnavigation. Das allein behebt schon den Großteil der Fehler.

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